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EINIGES ZUM VERGLEICH: ERDE - MOND
Von H. HIERONYMUS
Ähnlich wie beim Mond werden sich auch auf der Erde in der ersten Erstarrungsrinde große Aufschmelzungsflächen gebildet haben, für die aus der Tiefe heraufdringendes, feurigflüssiges Magma die Veranlassung gab. Da die leichteren Oberflächenschlacken überall ringsum zur Seite gedrängt wurden, bestanden die von Schlacken befreiten Zonen selbst aus schwererem Material, wie wir es ebenso für die Mareflächen des Mondes annehmen müssen. Diese Großflächen sanken später ihrer Schwere folgend wieder zurück und gaben so die Veranlassung zur Bildung der ersten Tiefenzonen der Erde, in denen sich das aus der dichten Dampfatmosphäre stammende Wasser ansammeln konnte. So entstanden die Urmeere der Erde.
Die bis in verhältnismäßig große Tiefen erstarrten Grundflächen der Urmeere (ich denke dabei vor allem an den Großen Ozean) dürften von Anfang an den Kernzusammenziehungen der Erde größeren Widerstand entgegengesetzt haben als das leichtere Material der umliegenden Randgebiete, deren unter zusammengeschwommenen Randschlacken liegendes, wärmegeschütztes Untergrundrnagma hier die Entstehung nachgiebiger “Schwächezonen” sehr begünstigte. Diese in Astr. f. Alle, S.191, als "Geosynklinalen" abgebildeten Schwächestreifen sanken zuerst den Kernzusammenziehungen folgend einige tausend Meter ab, wurden dann von Meeresablagerungen überschichtet und erst zuletzt bei stärkeren Kernverkleinerungen der Erde zu hohen Gebirgszügen emporgefaltet (Cordilleren, Felsengebirge, asiatische Gebirge u. a.). Die vielen Meeresablagerungen und die unzähligen Versteinerungen, die man in allen diesen Hochgebirgen und z. B. auch in den Alpen stellenweise findet, bezeugen mit Sicherheit das primäre Absinken dieser ringförmigen Schwächestreifen unter das Meerespiegelniveau.
Beim Mond spielten sich die hier kurz angedeuteten Vorgänge andersartig ab:
Die große Erde erzeugte auf dem Mond unvorstellbar große Gezeitenfluten des Feurigflüssigen, durch die in langen Zeiten die Mare- und Ringwallinnenflächen immer wieder aufgeschmolzen oder in ihrer Verfestigung gestört wurden. So konnten diese Zonen selbst immer wieder den Kernzusammenziehungen des kleineren Mondes nachgeben. Es entstanden allmählich große Vertiefungen gegenüber dem umliegenden Niveau, die zusammen mit Schollenschrägstellungen und -überschichungen zum Kernzusammenziehungsausgleich genügten. Die Entstehung der für die Erde charakteristischen langen Faltengebirge unterblieb ganz.
Am Rande vieler Maria (z.B. Mare imbrium) sehen wir noch heute stellenweise die Randschlacken in ihrer zusammengeschwommenen Urform; an anderen Stellen dagegen wurden Randschollengebilde mit daranhaftenden Magmenteilen ganz durcheinandergeworfen und dann durch verschiedenartige Schollenaufstellungen emporgehoben, so daß hohe Gebirgszüge entstanden (Mondapenninen, Mondalpen). Gewaltig müssen diese Schollenbewegungen und die Gezeitenfluten gewesen sein, das bezeugen auch z B. der Querbruch des Alpentales und die Fortreißung des Kaukasus, der nach Fauth zuerst eine Fortsetzung der Alpen war. Ringwälle versanken ganz oder teilweise im Feurigflüssigen, und unförmige Schlackengebilde wurden überall umhergetrieben, bis sie sich irgendwo in der erstarrenden Umgebung festlegten.
Betrachten wir uns einmal genauer das jetzt so ruhig daliegende, ungeheure Durcheinander von uralten, oft wieder zerstörten Rundformen, die von späteren Bildungen vielfach geradezu überwuchert wurden (ich denke dabei auch an manche Aires elliptiques" nach Delmotte, Astr Rdsch.38, Heft 3), so werden wir uns gar nicht mehr wundern, daß auch überall auf der Erde ganz unregelmäßig verteilt große Gebirgszüge in Bogenform vorkommen, die vielleicht z.T. auch auf alte, verschleppte Mareurnrandungsreste zurückzuführen sind, welche die Bildung von Schwächestreifen im vorher geschilderten Sinne begünstigten.
Die vielen Spaltenzüge am Rande vieler Mondmaria beweisen das nachträgliche starke Absinken dieser Großzonen, legen aber auch die Vermutung nahe, daß ebenso am Grunde der Erdozeane Spaltenbildungen aufgetreten sein werden, durch welche Wassermassen in unregelmäßigen Zwischenräumen immer wieder mit Feurigflüssigem in Berührung kamen. Die hierbei anzunehmenden Explosionsfluten sind meines Wissens bisher noch nicht zur Erklärung von Überflutungssedimenten mit herangezogen worden, ebenso nicht die bei solchen Katastrophen auftretenden Dampfbildungen, die zusammen mit der damaligen großen Höhe der Gebirge auf die Niederschlagsbildungen bei Eiszeiten großen Einfluß gehabt haben können.
Auf dem Monde ist das Oberflächenwasser frühzeitig zusammen mit den atmosphärischen Gasen infolge der geringen Schwerkraft des Mondes in den Weltraum abgewandert. Es besteht aber große Wahrscheinlichkeit, daß Lösungen von Salzen und verwandten Stoffen bei letzten vulkanischen Vorgängen mit zur Bildung der Mondstreifen und der hell überkrusteten Ringwälle beitrugen (“Weltall”-Aufsatz: A. Hofmann, Januar 1940). Bei Wanderungen am Vesuv findet man überall dunkle Schmelzlava neben grauer, poröser bimssteinartiger und außerdem helle, salzdurchtränkte oder überkrustete Stücke. Diese Lavaformen ergeben wohl am ehesten ein Vorstellungsbild für das Material der Aufschmelzungsflächen, der Höhenlagen und der hellen Überkrustungen des Mondes.
Erste Erstarrungsvorgänge werden bei der Erde ebenso wie beim Mond von den zwei Polen ausgegangen sein.
Eine dem Mondmaregürtel entsprechende Aufschmelzungsflächenreihe, deren gebirgsbildende Randschwächezonen starke Verschiebungen erlitten, bildete die Grundlage für das Urmeer Thetis, das sich nach Haas, Geologie, S.140, von Mittelamerika über Atlantik und Mittelmeer bis nach Zentralasien erstreckte und sogar noch Verbindung zum Pazifik hatte.
Die Geosynklinalen des Mesozoikums nach E. Dacque.
Der Mond im umkehrenden Fernrohr.
Dicke schwarze Linien: Aires elliptiques (Delmotte)
Nach einem von Philipp Fauth für den "Großen Herder" angelegten Entwurf.
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