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Wissenschaftlicher Nachlaß
von
H. hieronymus
 
1967-Ü

Herausgegeben im Auftrage der

        Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft

              von

          W. Dieminger, Lindau über Northeim

           

            unter Mitwirkung von

B. Brockamp, Münster i. W. A. Defant, Innsbruck W. Hiller, Stuttgart K. Jung, Kiel

E. A. Lauter, Kühlungsborn 0. Lucke, Berlin 0. Meyer, Hamburg F. Möller, München

H. Reich, Göttingen

 

 

Sonderdruck

 

aus Jahrgang 33 (1967) Heft 6

 

PHYSICA-VERLAG WÜRZBURG

 

Briefe an den Herausgeber

 

Eine Zweipolschollen-Hypothese

der Kontinentverschiebung

\/on H. HIERONYMUS, Horn 1)

 

Die modernen Untersuchungen auf dem Gebiet des Paläomagnetismus haben die Diskussion über Kontinentverschiebungen erneut belebt und lassen es als sicher scheinen, daß einzelne Landmassen sehr große Entfernungen relativ zu den Polen im Laufe der Erdgeschichte zurückgelegt haben [BLACKETT 1956]. Im Anschluß an die bekannte Hypothese von A. WEGENER geht man hierbei meist von einer einheitlichen Erdkrustenplatte aus. Schon 1949 habe ich darauf hingewiesen, daß man auch von zwei polaren Erstarrungskappen ausgehen kann, und ich habe die Vorteile einer solchen Hypothese eingehend erläutert [HIERONYMUS 1949]. Abb. 1 zeigt die dieser Annahme entsprechenden Druckrichtungen und Widerstandsflächen.

    1949-abb2 

    Abb.1: Die Pfeile deuten die nach der Zweipolschollen-Hypothese direkt von den Polen kommen-den Driftrichtungen an.
    W = Widerstandsfiächen.
    Schraffierte Flächen = ungefähre Lage der jungen tertiären Kettengebirge.

 

Lange vor der Carbonzeit wurden die Polarkappen bei einer Initialkatastrophe zerrissen und begannen äquatorwärts zu wandern. Schon wegen der Divergenz der Meridiane mußten sich Spalten und Lücken zunehmend erweitern. Bei der Initialkatastrophe kann man daran denken, daß nach dem Einfang des Mondes große Flutwellen in den feurig-flüssigen Schichten des Erdinnern auftraten; Natur und Stärke der schollenverschiebenden Kräfte sind nicht sicher bekannt. Die Gezeitenfluten des feurig-flüssigen Materials haben großflächig verankerte Aufschmelzungszonen im Gebiet des Pazifik geschaffen, die nach der Wiedererstarrung bei der Faltengebirgsbildung als Widerstandsfiächen mitwirkten [W in Abb. 1]. Die atlantische Schwelle ist eine Auffaltung. Starke Kompressionen in der Vorderseite der Wanderschollen können vorübergehend zu Rückwärtsbewegungen geführt haben. Hierbei sanken die hoch aufgefalteten und aufgestauten Schwächezonen in die Tiefe. Vielleicht steht die Bildung der Geosynklinalen mit solchen Vorgängen im Zusammenhang.

Man muß nicht annehmen, daß sich der Erdkörper ausdehnt.

Mars- und Mondaufnahmen deuten an, daß die Erstarrung auch auf diesen Körpern an den Polen begonnen hat. Doch blieben die Polkappen erhalten und wurden nicht zerspalten wie bei der Erde.

Auf Mars und Mond als erdeähnlichen Weltkörpern sind keine Ausdehnungs- erscheinungen erkennbar.

In bezug auf die in Abb. 1 durch Pfeile angedeuteten Schubkräfte ist zu sagen, daß dieselben bei Annahme einer früheren schnelleren Erdrotation stärker wirksam waren. Dazu ist anzunehmen, daß in früheren Erdzeiten die Viskosität des Untergrundes für eine Schollenverschiebung günstiger war als erst im Carbon wie bei WEGENERS Annahme.

 

Literatur

[1]Nobelpreisträger BLACKETT in einem Vortrag ,,Gesteinsmagnetismus und kontinentale Trift” in Lindau (Bodensee) am 28. Juni 1956.

[2]HIERONYMUS H.: Eine Zweipolschollenhypothese für die Erde. Geofisica pura e applicata 14, 194, No. 3/4, 1949.