|
GEOFISICA PURA E APPLICATA - MILANO
Zusammenfassung - Nach der Theorie Alfred WEGEGNER´s haben sich die Kontinente aus einer einzigen zusammenhängneden Schollenplatte gebildet, die einseitig auf der Erde liegt. Im Gegensatz dazu nimmt die Zweipolschollenhypothese zwei Urschollen an den Polen der Erde an. Nachdem diese Schollen durch eine Initialkatastrophe zerrissen sind, entfernen sich die Teilstücke bei ihrer Wanderung zum Aequator voneinander, weil ja mit zunehmendem Polabstand der verfügbare Raum ständig wächst, wie man sich am Verlauf der Meridiane klar machen kann. Die folgenden kurzen Bemerkungen sollen zeigen, dass die Zweipolschollenhypothese Widersprüche in der WEGENER’schen Theorie beseitigt und sich alten, bekannten Hypothesen zwanglos einfügen lässt. Ohne die Festlandsverschiebungslehre sind die jungen Faltengebirge der Erde nicht erklärbar (KURT WEGENER)
Summary — ALFRED WEGENER´s theory assumes one single original cotinent lying as a connected continent on one side of the earth. The new hypothesis of two original polecontinents on the contrary assumes two original continents, i.e. one on each pole of the earth. After an initial shock, which broke these two pole-continents into different parts, these parts removed from each other migrating to the equator, because the available area increases, when polsdistance increases, this can be seen in the course of the meridians. The following remarks shall demonstrate that the hypothesis of two original pole-continents makes disappear the difficulties in ALFRED WEGENER´s theory and is in good accord ‘with former wellkown theories. The yong folded mountain-ranges cannot be understood without. assuming a migration of the continents (KURT WEGENER).
Bei WEGENER´s Annahme ergeben sich drei Schwierigkeiten: 1.) Die Kontinente wandern zum Teil zuerst der Polfluchtkraft entgegen. 2.) Das Auseinanderweichen der Kontinente zu so später Zeit (Karbon. bis .Quartär) ist schwer erklärbar, sodass man sogar die Hypothese einer ungeheuren Erdballausdehnung zu Hilfe nehmen musste. 3.) WEGENER selbst spricht in späteren Teilen seines Werkes von Nord- und Südlandsschollen, kam. aber noch nicht auf den Gedanken, seine Einschollenskizze abzuändern.
Neue Zweipolschollenhypothese: Wenn man Mars- und Mondaufnahmen betrachtet, so gewinnt man den Eindruck, dass die Erstarrungkrustenbildung dieser Weltkörper von den Polen her erfolgt ist, während die Tiefenzonenbildungen mehr die äquatoriale Lage bevorzugen. Es liegt die Frage nahe: Warum ist das Oberflächenbild der Erde ein so ganz andersartiges? Man könnte zu dieser Frage die Vermutung aussprechen, dass auch auf der Erde zuerst zwei polare. Erstarrungskappen eine Rolle gespielt haben, die beide erst später (beim Mondeinfang oder anderer Katastrophe) in mehrere Teilstücke zerspalten wurden. Es soll hierbei betont werden, dass diese Wanderschollen in Grösse und Form noch nicht den heutigen Kontinenten entsprachen.
Abb.1 WEGENER’S Auffassung, ausgehend von nur einer einstig auf der Erde liegenden Schollenplatte (einige Kontinente wandern der Polfluchtkraft entgegen).
Sie werden vielmehr Aehnlichkeit gehabt haben mit den auch in WEGENER’S Skizze angedeuteten Festlandskernen. Sie wurden später. nachdem sich die anfänglich in der Atmosphäre befindlichen Wassermassen auf der Erde angesammelt hatten, von mächtigen Sedimenten überlagert, und veränderten sich in der Tiefe dann durchgreifend, sodass man heute das eigentliche Urschollenmaterial nirgends vor Augen hat. Das Wesentliche bei der neuen Annahme ist die sofortige Schollendrift von den Polen her und zum Aequator hin (ohne den teilweisen WEGENER’schen Umweg erst zu den Polen hin und dann jeder zurück). Die neue Annahme verlegt den Anfang der Schollentrennung in viel frühere Zeiten als die Festlandsverschiebungslehre WEGENER’s. Dass die Polfluchtdrift nach Westen abgelenkt wird, erklärt sich bei der neuen Annahme dadurch, dass die Urschollen in Gebiete grösserer Drehwinkelgeschwindigkeit kamen. Dazu übte ja auch der Mond einen Westwärtszug auf die Schollen aus, der auch Dehnungsgebiete der Erde mit veranlasst haben kann. Erst im Laufe langer Zeiträume wuchsen die Urschollen zur Grösse der heutigen Kontinente heran. Es entstand so die eigenartige Land- und Wasserverteilung auf der Erde.
Wenn man auf Skizze 2 die eingezeichneten Pfeile betrachtet, die den Weg der Wanderung der Schollen nach Auffassung der neuen Zweipolschollenhypothese andeuten sollen, so fällt einem sofort auf, dass fast alte tertiären, jungen Faltengebirge der Erde an der direkten Vorderfront oder an schräg seitlicher Vorderfront der Wanderkontinente liegen, also an den vorderen Abbremsungsflächen. Zur Erklärung der langdurchlaufenden westameriamerikanischen Randgebirge muss der durch den Mondein-fluß ausgübte Westwärtszug der Festländer mit berücksichtigt werden, dazu die besonders starke Widerstandsfläche des sehr alten, tief verankerten Pazifikgebietes.
Abb. 2 - Neue Zweipolschollenhypothese, ausgehend von zwei polaren Erstarrungskappen Pfeile = Driftrichtung. W = Widerstandsflächen.
Die größten Faltengebirge entstanden dort, wo das grossflächigste Hinterland nachdrängte (Himalajagebiet). In Nordafrika entstanden deshalb nur kleinere junge Gebirge, weil der von Süden kommende Kontinent Afrika über den Äquator hinauswanderte und sich, so selbst abbremste, weil ja jenseits des Äquators die Fliehkraft im umgekehrten Sinne einwirkte (Polverlagerungen). Das Fehlen junger Faltengebirge in Westafrika lässt sich dadurch erklären, dass der Atlantik kein mit dem Erdinneren festverankertes, altes Gebiet ist wie der viel ältere Pazifik. Die Form der Atlantikschwellen scheint im Gegenteil auf Nachgiebigkeit des Meeresgrundes gegenüber dem Kontinentdruck hinzudeuten. Die Teilscholle Antartika wanderte wegen ihrer zirkumpolaren Lage wohl nicht wesentlich. Das Nordpolarmeer entsteht durch das Fortwandern der Nordschollen. Die Annahme einer ungeheuren Erdballausdehnung fällt bei der Zweipolschollenhypothese fort. .Die Urschollen entfernen sich in einleuchtender Weise deshalb bei ihrer Wanderung voneinander, weil sich mit zunehmendem Polabstand der zur Verfügung stehende Raum vergrössert, wie man sich am Verlauf der Meridiane vom Pol zum Aquator anschaulich machen kann.
Die Zweipolschollenhypotbese beseitigt Widersprüche in der WEGENER’schen Theorie und fügt sich, zwanglos alten bekannten Hypothesen ein. Ohne Festlandsverschiebungslehre sind die jungen Faltengebirge der Erde nicht erklärbar (KURT WEGENER). |